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C. Giron-Panel/ A.-M. Goulet (Hg.), La musique à Rome au XVIIe siècle : études et perspectives de recherche, Rom 2012.

 

Ausländische Orgelbauer im Rom, Venedig und Neapel (1650-1750)

Florian Bassani
Gehäuse der von Conrad Wörle in der Chiesa di S. Maria Maddalena in Rom erbauten Orgel (1735). Quelle: Wikipedia.it

In den Musikzentren Italiens sind während des 17. und 18. Jahrhunderts zahlreiche ausländische Instrumentenbauer nachweisbar. Insbesondere Venedig und Rom zogen bereits im frühen Cinquecento v. a. Lautenmacher und Geigenbauer, aber auch Orgelbaumeister an und boten ihnen als internationale Brennpunkte kulturellen Lebens interessante Märkte und eine konstante Nachfrage. Während sich im Geigen- und Lautenbau bisweilen ganze Werkstätten aus dem süddeutschen Raum gegenüber der einheimischen Konkurrenz etablierten, ist bei den (meist individuell einwandernden) Orgelbauern eine größere Streuung der Provenienzen zu beobachten (Flandern, Lothringen, Frankreich, Schweiz, Lausitz, Preußen, Bayern, Tirol).
Hauptwirkungsregionen ausländischer organari bilden Norditalien (Genua, Como, Bozen, Trient, Verona, Padua, Venedig) sowie Rom und der Kirchenstaat. Da verschiedene Instrumente dieser Meister  – ganz oder in teilweiser Erhaltung – die Zeiten überdauert haben, bietet eine Erforschung der auf der italienischen Halbinsel aktiven ausländischen Orgelbauer und ihrer Instrumente die Möglichkeit, neben ihrer kulturellen und sozialen Eingliederung auch die im Orgelbau deutlich erkennbaren stilistischen Einflüsse auf das Gastgeberland und Übernahmen aus der italienischen Tradition zu analysieren.

In einem ersten Schritt wird zunächst die Präsenz ausländischer Orgelbauer in Venedig, Rom und Neapel erforscht. Der Fokus liegt dabei auf biographischen Recherchen zu den bereits bekannten Namen und zu Personen aus deren Werkstätten, einschließlich der Zusammenstellung dokumentierbarer Arbeiten (Orgelneubauten und -umbauten, Unterhalt etc.) und erhaltener Instrumente. Besonderes Interesse gilt den Bemühungen der einzelnen Orgelbauer im Hinblick auf eine gesellschaftliche, kulturelle und berufliche Eingliederung bzw. Abgrenzung gegenüber Institutionen und Märkten, wie sie sich etwa im Anschluss an Bruderschaften, in familiären und beruflichen Bindungen, in der Wahl des Niederlassungsortes innerhalb der Stadt und der Auswahl der Mitarbeiter artikulieren. Desgleichen wird recherchiert, ob eine Rückwanderung in die Heimat erfolgte.

Nach der Erfassung biographischer Daten der untersuchten Orgelbauer und der Zusammenstellung dokumentierbarer bzw. erhaltener Werke richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Instrumente selbst sowie auf das idiomatische musikalische Repertoire.


Im Zentrum stehen zunächst organologische Fragen, insbesondere im Hinblick darauf, ob und inwiefern ausländische Orgelbauer bautechnische Charakteristika ihres Herkunftslandes einführten beziehungsweise in Italien traditionell vorhandene Parameter veränderten, oder aber ob sie primär die etablierten Eigenschaften im Instrumentenbau des Gastlandes übernahmen.


Den zweiten Brennpunkt des Interesses bildet die spezifische Literatur, die auf den untersuchten Instrumenten erklungen sein könnte. Im Vordergrund stehen erhaltene musikalische Quellen in Venedig, Rom und Neapel tätiger Meister sowie anonyme, mit diesen Musikzentren verbundene Kompositionen. Im Hinblick auf die Grundthematik des Projektes ist insbesondere die Frage von Belang, inwieweit die Instrumente ausländischer Orgelbauer, sofern sie denn in der Tat deutlich andere klangliche und spieltechnische Eigenschaften als die italienischer Baumeister aufweisen sollten, die Wiedergabe der Kompositionen wesentlich konditionieren.

Kontakt

Anne-Madeleine Goulet

EFR, Piazza Navona, 62

I-00186 Roma

Tel.: +39 320 40 08 27 2

goulet(at)musici.eu


Gesa zur Nieden

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Musikwissenschaftliches Institut
Jakob-Welder-Weg 18
D-55128 Mainz

zurnieden(at)musici.eu

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