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C. Giron-Panel/ A.-M. Goulet (Hg.), La musique à Rome au XVIIe siècle : études et perspectives de recherche, Rom 2012.

 

Reise über die Alpen. Süddeutsche Musiker zwischen Kunst und Politik (1650-1750)

Britta Kägler
Giuseppe Vasi, Porta del Popolo (esterno), Rome, 1747.
Auszug aus der Reisebeschreibung eines kurbayerischen Prinzen nach Italien

Tätigkeit und Wirkungsbereich von italienischen Künstlern jenseits der Alpen sind immer wieder im Fokus der historischen Forschung oder doch von kulturgeschichtlichen Arbeiten zumindest gestreift worden. Weniger im Vordergrund steht hingegen die Tatsache, dass sich im 17. und 18. Jahrhundert auch zahlreiche Künstler aus dem süddeutschen Raum in Italien aufhielten. Vor allem die drei Zentren Venedig, Rom und Neapel galten als Ausbildungsstätten ersten Ranges und übten eine entsprechend starke Anziehungskraft auf ausländische Musiker und Instrumentenbauer aus.


Das Forschungsprojekt zu süddeutschen Musikern zwischen Kunst und Politik setzt an einer Schnittstelle zwischen Musikwissenschaft und Geschichtswissenschaft an, verfolgt aber eine vorrangig historische Fragestellung. Ausgehend von einer landesgeschichtlich vergleichenden Perspektive werden der süddeutsche und der italienische Raum miteinander verknüpft. Nördlich der Alpen rücken damit vor allem die weltlichen und geistlichen Höfe sowie die Klöster in den Blick, die Aufführungsorte und Bühnen der Barockmusik waren. Aus der entgegen gesetzten Richtung ist es die zunehmende kulturelle Anziehungskraft städtischer Zentren, die eine Analyse der Strukturen von Kunstförderung und Aufführungspraxis zum geeigneten Untersuchungsfeld werden lässt.

 

In einem ersten Schritt wird daher den Hintergründen der Anziehungskraft vor allem der drei genannten Städte Venedig, Rom und Neapel nachgegangen. Was wussten Künstler, insbesondere Musiker, aber auch deren Auftraggeber im Vorfeld über die italienischen Städte? Bildete der oberitalienische Raum aufgrund von bereits bestehenden engen Handels- und Wirtschaftskontakten auch ein Zentrum für Künstler und Musiker? Inwiefern war das mit Abstand am weitesten südlich gelegene Neapel trotz der weiten Entfernung noch im Fokus süddeutscher Landesherren und süddeutscher Musiker? Oder spielte die räumliche Distanz gegenüber familiären Kontakten und politischen Überlegungen eine untergeordnete Rolle? Gab es beispielsweise sogar besonders enge Verbindungen, weil Neapel zumindest bis zum Jahr 1700 unter der Herrschaft der spanischen Habsburger stand? Ist der entscheidende Faktor, der für die Anziehungskraft der italienischen Musikzentren jenseits der Alpen sorgte, also eher inhaltlich und damit vorrangig künstlerich/musikalisch zu verstehen oder überlagern räumlich/geographische oder politische Aspekte diese Motive? In einem zweiten Schritt werden schließlich Integrationsanforderungen und Integrationsprozesse herausgearbeitet sowie der Stellenwert von Italienreisen für den Karriereverlauf süddeutscher Musiker exemplarisch und vergleichend zu bestimmen versucht.

Kontakt

Anne-Madeleine Goulet

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Tel.: +39 320 40 08 27 2

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Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Musikwissenschaftliches Institut
Jakob-Welder-Weg 18
D-55128 Mainz

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