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C. Giron-Panel/ A.-M. Goulet (Hg.), La musique à Rome au XVIIe siècle : études et perspectives de recherche, Rom 2012.

 

Politische Hintergründe der Mobilität von Musikern in Italien (1650-1750)

Mélanie Traversier
Giuseppe Vasi, Porta del Popolo (esterno), Rome, 1747.
Pietro Righini, incisione da F. Sesone, per "Le nozze d'Amore e Psiche" di Leonardo Leo, Teatro di San Carlo 23 giugno 1738 o per "Le nozze di Teti e Peleo", di Domenico Sarri, Real Palazzo, dicembre 1739

Ziel dieses Forschungsprojekt ist es, diejenigen Faktoren zu analysieren, die auf politischer, sozialer und symbolischer Ebene die Migrationsbewegungen ausländischer Musiker des 17. und 18. Jahrhunderts auf ihren Wegen nach Rom, Neapel oder Venedig in begüstigender oder behindernder, verzögernder oder orientierender Weise beeinflussten. Durch die Untersuchung sollen unterschiedliche Mobilitäts- und Bekanntheitsgrade in Bezug auf die jeweiligen Rhythmen der Wanderschaft erfasst werden.

In politischer Hinsicht sollen die verwaltungstechnischen und polizeilichen Prozeduren nachgezeichnet werden, die die Einwanderung und mehr oder weniger dauerhafte Niederlassung der Künstler in den unterschiedlichen präunitarischen Staaten des modernen Italiens begünstigten, wobei diese Zwänge im Kontext der individuellen Biographien einer vergleichenden Betrachtung unterzogen werden. Dies geschieht mit dem Ziel, Übereinstimmungen oder Abweichungen in der politischen Handhabe gegenüber migrierenden Künstlern in Venedig, Rom und Neapel als den drei massgeblichen urbanen wie musikalischen Zentren der Zeit zu erfassen. Die Tatsache, dass diese Städte überdies drei unterschiedliche politische Systeme repräsentieren, bietet dabei eine optimale Ausgangslage für vergleichende Untersuchungen.

Die Analyse des verwaltungstechnischen Räderwerks der musikalischen Mobilität wird nicht nur aus dem Blickwinkel normativer Zwänge und polizeilicher Überwachung geführt. In den drei untersuchten Fällen ist es überdies möglich, dass die jeweiligen örtlichen Regierungen die Zuwanderung ausländischer Musiker, aber auch die Wanderung lokaler Künstler befördern, indem sie beispielsweise die eher unüblichen diplomatischen Wege gerade für musikalische Belange nutzen. Die Forschungsarbeit berücksichtigt daher auch Netzwerke von Vermittlern, die mehr oder weniger direkt von der Staatsgewalt angehalten wurden, die Beweglichkeit von Musikern und die Zirkulation ihrer Werke zu erleichtern.

Die Einbeziehung solcher „Kunst-Agenten“ schliesst somit auch die Geschichte der Musikaufführungen in den drei Metropolen mit ein. In diesem Zusammenhang sind ferner die politischen wie gesellschaftlichen Schalthebel als die Instrumente einer veritablen „Bildpolitik“ zu benennen, die die besonderen Anreize und Stärken eines jeden der drei Musikzentren betont und dabei zum einen Faktor für die Mobilität darstellt und zum anderen das Verlangen nach eben dieser Mobilität befördert: Wer, aber auch welche Institutionen setzten sich dafür ein, das Renomee eines lokalen Künstlers, aber selbst einer ganzen Generation von Musikern zu entwerfen, aufzubauen und auch über die Grenzen der eigenen Metropole hinaus durchzusetzen?

In methodologischer Hinsicht wird nach streng komparatistischen Massstäben vorgegangen, da diese Gangart die zweckmässigste Basis bei der Suche nach den Eigentümlichkeiten der drei Städte in Bezug auf die Geschichte der Migration professioneller Musiker bietet. Gleichzeitig empfiehlt sich diese Vorgehensweise angesichts der höchst unterschiedlichen Voraussetzungen in Sachen Quellenlage und archivistischer Realität.

Kontakt

Anne-Madeleine Goulet

EFR, Piazza Navona, 62

I-00186 Roma

Tel.: +39 320 40 08 27 2

goulet(at)musici.eu


Gesa zur Nieden

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Musikwissenschaftliches Institut
Jakob-Welder-Weg 18
D-55128 Mainz

zurnieden(at)musici.eu

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