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C. Giron-Panel/ A.-M. Goulet (Hg.), La musique à Rome au XVIIe siècle : études et perspectives de recherche, Rom 2012.

 

Die Quellen französischer Musik in Italien (17.-18. Jahrhundert)

Barbara Nestola

Die musikalischen Beziehungen zwischen Italien und Frankreich können im Barockzeitalter zu Recht als asymmetrisch bezeichnet werden. Genauer gesagt überquerten seit Beginn des 17. Jahrhunderts italienische Komponisten und Interpreten die Alpen, um ihre Musik im Ausland bekannt zu machen. Die europäischen Länder wie England, Spanien, die Niederlande oder die germanischen Länder, die der Rezeption neuer Genre offen gegenüberstanden, haben ihnen zumeist einen begünstigenden Empfang vorbehalten. Das äußeren Einflüssen gegenüber wenig durchlässige Frankreich hat, teilweise dank seiner eigenen Musiktradition, mit Italien stets eine Beziehung gepflegt, die von Phasen der Akzeptanz und der Ablehnung markiert war und die regelmäßig von zahlreichen querelles begleitet wurde.

Jüngste Forschungen haben gezeigt, welches der Beitrag der italienischen Musik im Hinblick auf die Begründung und die Entwicklung der tragédie en musique, der Kantate und der französischen Instrumentalmusik ist. Dies war vor allem dank der systematischen Bewertung und dank des Studiums der zahlreicher Quellen italienischer Musik in französischen, besonders Pariser Bibliotheken möglich.

Ein bedeutsamer Teil dieser Arbeit wurde am Centre de Musique Baroque de Versaille verwirklicht, das einen Forschungszweig der italienischen Musik in Frankreich während des 17. und 18. Jahrhunderts widmete. Dieses Vorhaben wurde zwischen 1190 und 1998 vom Musikwissenschaftler Jean Lionnet begründet und seit dem Jahre 2000, seitdem Jean Duron Leiter des Zentrums ist, meiner Verantwortung anvertraut.

Der komplementäre Teil dieser Studie, d. h. die Untersuchung der französischen Musik in Italien, wurde dagegen noch keinen systematischen Forschungen unterzogen. Mit der Absicht die Mechansimen der Verbreitung der französischen Musik in Italien zu verstehen, erschien es unentbehrlich einen präzisen Dokumenten-Korpus zu bestimmen und zu untersuchen: Es handelt sich um die Handschriften und Editionen französischer Musik, die in den Bibliotheken Roms, Venedigs und Neapels aufbewahrt wird. Diese Orte waren eng an Frankreich gebunden, jeder in einer anderen Manier, und haben eine entscheidende Rolle beim Prozess der künstlerischen und musikalischen Übertragung gespielt. Ein erstes Quelleninventar zeigt, dass die Bibliotheken in Rom, Venedig und Neapel einen preziösen Dokumentenfundus aufbewahren, der den Grundstein für meine Arbeit bilden wird. Mein Auftrag innerhalb des Musici-Projektes wird es sein, ein systematisches Inventar der in Frage kommenden Quellen zu verwirklichen, die anschließend in einer ausschließlich für diese Zwecke eingerichteten Datenbank beschrieben und katalogisiert wird.

Kontakt

Anne-Madeleine Goulet

EFR, Piazza Navona, 62

I-00186 Roma

Tel.: +39 320 40 08 27 2

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Gesa zur Nieden

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Musikwissenschaftliches Institut
Jakob-Welder-Weg 18
D-55128 Mainz

zurnieden(at)musici.eu

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