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C. Giron-Panel/ A.-M. Goulet (Hg.), La musique à Rome au XVIIe siècle : études et perspectives de recherche, Rom 2012.

 

Der Ruf der Partenope: Europäische Musiker in Neapel zwischen 1650 und 1750

Giulia Anna Romana Veneziano
Giuseppe Vasi, Porta del Popolo (esterno), Rome, 1747.
Giovanni Battista Lusieri, Veduta di Napoli, sec. XVIII

Neapel, bis heute die „Hauptstadt“ Süditaliens, stellte über Jahrhunderte hinweg das wichtigste Musikzentrum der Halbinsel dar und war der gefragteste Ausbildungsort für Musiker aus ganz Europa. Besonders ab dem frühen Settecento beförderte der während zwei Jahrhunderten spanischer Herrschaft gewachsene Ruf der „musikalischen Kapitale“ einen lebhaften Austausch von Musik und Musikern und bewirkte sowohl eine rege Verbreitung (durch die Emigration in Neapel ausgebildeter Musiker), als auch eine starke Zuwanderung (insbesondere von ausländischen Schülern der Konservatorien). Vor diesem Hintergrund bildet Neapel ein einzigartiges Studienobjekt für die Gesetzmäßigkeiten intensiven Kulturtransfers. Zwangsläufig musste jeder Grand Tour in Neapel Station machen, der Stadt, die als der für die Musikwelt tonangebende „diapason“ – so die Definition des Franzosen Labat – längst zum „musikalischen Mythos“ avanciert war.

Während die Auswanderung neapolitanischer Musiker nach ganz Europa bereits seit einiger Zeit den Gegenstand wissenschaftlichen Interesses bildet, ist Neapel als Anziehungspunkt für ausländische musikalische Reisende noch unerforscht. Diese Seite der Stadt erschien zunächst sogar gänzlich inexistent, wären da nicht prominente Beispiele – etwa Hasse und Terradellas, die sich lange zu Studienzwecken in Neapel aufhielten, oder reisende Berühmtheiten wie Händel, Valentine und Quantz –, die eine viel größere Bedeutung dieses Phänomens annehmen lassen.

Dank der vorliegenden Forschungsliteratur zur Geschichte Neapels während des Zeitraumes 1650-1750 werden im Rahmen des Projektes zunächst bibliographische Grundlagen zur generellen Einordnung von Quellen und Namen geschaffen. In einem zweiten Schritt ist vorgesehen, sämtliche neapolitanischen Archivbestände zu benennen, von deren Auswertung Daten über die Präsenz ausländischer Musiker zu erwarten sind. Im ersten Jahr der Recherchearbeit werden Handschriften der Biblioteca Nazionale di Napoli ausgewertet, ferner die Register der historischen Konservatorien der Stadt (im Conservatorio di S. Pietro a Majella und in der Curia Arcivescovile) sowie die Archive neapolitanischer Kongregationen und Institutionen, auch wenn in letzterem Fall aufgrund der bisweilen nur fragmentarischen Erhaltung nur Teilergebnisse zu erwarten sind. Hinzu kommen die Archive diverser Adelsfamilien im Archivio di Stato di Napoli. Auf diesen Konsultationen aufbauend werden die zu Tausenden im Archivio Storico del Banco di Napoli erhaltenen Rechnungsbücher sowie weitere dokumentarische Quellen unseres Beobachtungszeitraumes einer detaillierten Auswertung unterzogen. Ein besonderes Augenmerk ruht auf der synoptischen Erfassung von Daten, die parallel in mehreren Quellen mitgeteilt werden – sowohl in bereits edierten, wie in noch unveröffentlichten –, mit dem Ziel, über die Präsenz ausländischer Musiker hinaus, auch den urbanen Nährboden und das „klingende Panorama“ zu rekonstruieren, das sich den musikalischen Reisenden im spätbarocken Neapel darbot.

Die Ergebnisse der Forschung werden als Teil der Datenbank MUSICI veröffentlicht, einem Medium, das es ermöglicht, wissenschaftliche Erkenntnisse zum Verhältnis zwischen ausländischen Musikern und dem unerschöpflichen Reichtum Neapels, jenes „paradiso abitato da diavoli”, auf unkomplizierte Weise in Erfahrung zu bringen.

Kontakt

Anne-Madeleine Goulet

EFR, Piazza Navona, 62

I-00186 Roma

Tel.: +39 320 40 08 27 2

goulet(at)musici.eu


Gesa zur Nieden

Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Musikwissenschaftliches Institut
Jakob-Welder-Weg 18
D-55128 Mainz

zurnieden(at)musici.eu

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